KI schreibt Texte, programmiert, erkennt Krankheiten und generiert Bilder. Autos fahren zunehmend selbständig und Roboter lernen immer komplexere Aufgaben. Die Entwicklung ist rasant – und wirft eine ziemlich grundlegende Frage auf: Was können wir Menschen eigentlich besser?
Genau darum ging es an unserem Anlass mit Prof. Dr. Benjamin Grewe: Was ist künstliche Intelligenz, wo liegen ihre erstaunlichen Fähigkeiten – und wo ihre Grenzen? Und was können wir vom menschlichen Gehirn lernen, um KI besser zu machen?
Denn so beeindruckend ChatGPT & Co. sind: Unser Gehirn ist ihnen in einigen entscheidenden Punkten noch immer voraus. KI-Systeme werden mit gigantischen Datenmengen trainiert und sind hervorragend darin, Muster zu erkennen. Unser Gehirn hingegen schafft Erstaunliches mit bloss 20 Watt und braucht sehr viel weniger Trainingsmaterial. Einem Kind müssen wir nicht Tausende Bilder von Hunden zeigen, bis es verstanden hat, was ein Hund ist. Wenige Beispiele reichen.
Der entscheidende Unterschied: Wir Menschen lernen Konzepte. Wir wissen nicht nur, wie ein Stuhl aussieht, sondern auch, dass wir darauf sitzen können. Wir verstehen Zusammenhänge, Ursache und Wirkung und können Gelerntes auf neue Situationen übertragen. Genau damit tut sich KI noch schwer. Sie ist hervorragend, wenn eine Aufgabe den Daten ähnelt, mit denen sie trainiert wurde. Wird eine Situation jedoch wirklich neu, kann sie überraschend grosse Fehler machen. Bei einem Chatbot ist das vielleicht ärgerlich. Bei einem selbstfahrenden Auto oder einem Roboter, der sich zwischen Menschen bewegt, sieht die Sache schon anders aus.
Die Forschung versucht deshalb, Lernprinzipien unseres Gehirns auf künstliche Systeme zu übertragen. Ziel sind KI-Modelle, die einzelne Konzepte verstehen, Wissen gezielter speichern und Neues lernen können, ohne bereits Gelerntes wieder zu verlieren. Gerade für die Robotik wäre das ein entscheidender Schritt: Ein Roboter müsste seine Umgebung nicht nur «sehen», sondern verstehen, was er mit einem Gegenstand tun kann und welche Handlung zum gewünschten Ziel führt. Die Chancen sind enorm. In der Medizin kann KI Muster erkennen, die selbst Spezialisten kaum wahrnehmen, und möglicherweise Krankheiten früher diagnostizieren. In der Bildung könnten persönliche KI-Tutoren individuell auf den Lernstand eines Kindes eingehen. Und intelligente Systeme könnten uns künftig viele repetitive oder belastende Arbeiten abnehmen.
Damit wird aus der technologischen aber auch eine gesellschaftliche Diskussion: Wer kontrolliert diese mächtigen Systeme? Unternehmen, Staaten oder wir als Gesellschaft? Was geschieht, wenn Maschinen immer mehr von unserer Arbeit übernehmen? Und wie wird der dadurch entstehende Wohlstand verteilt?
In unserer Diskussion kam auch eine konkrete Chance zur Sprache: KI und Robotik könnten helfen, bestehende Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern abzubauen – etwa indem sie Care-Arbeit, Mental Load und andere unbezahlte Tätigkeiten reduzieren. Technologischer Fortschritt würde damit nicht nur effizienter machen, sondern tatsächlich neue Freiräume schaffen.
Und vielleicht ist genau das die spannendste Frage: Wenn intelligente Systeme irgendwann vieles besser, schneller und effizienter erledigen können als wir – was möchten wir dann eigentlich selbst noch tun? Eine abschliessende Antwort gab es an diesem Abend nicht. Dafür umso mehr Gesprächsstoff. Denn entscheidend ist nicht nur, was KI in Zukunft alles können wird – sondern was wir wollen, dass sie für uns tut. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht und freuen uns, auf das, was noch kommt!
Beim anschliessenden Flying Dinner diskutierten die Teilnehmerinnen äusserst angeregt weiter. Ein klares Zeichen, dass dieses Thema niemanden kalt lässt!