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Takt angeben: über Führung in der Kultur – ein Abend mit Ilona Schmiel

Was inspiriert Frauen in Spitzenpositionen – und was braucht es, um dort zu bleiben? Diese Frage stand im Zentrum eines besonderen Abends mit Ilona Schmiel, Intendantin der Tonhalle-Gesellschaft Zürich. Offen und persönlich teilte sie ihre Erfahrungen aus über drei Jahrzehnten im Kulturmanagement.

Der Anfang: Krise als Wendepunkt

Ilona Schmiels Weg begann keinesfalls geradlinig. Schon früh spürte sie die Leidenschaft für das Musische, wollte ursprünglich Sängerin werden. Eine Beeinträchtigung der Stimmbänder – kurz vor Studienabschluss – beendete diesen Traum leider abrupt. Doch genau diese Krise öffnete eine neue Türe. Ilona Schmiel organisierte eine Tournee, trieb dafür engagiert Sponsorengelder auf und entdeckte dabei ihr Talent für Organisation und Management. Der Einstieg ins Kulturmanagement war geglückt.

Mut zur Bewerbung, auch wenn die Schuhe zu gross sind

1997 entdeckte sie eine Stellenanzeige für die Leitung des Konzerthauses Bremen. Gesucht wurde ein „junger Intendant“. Statt ihre Unterlagen einzuschicken, konnte sie den Headhunter persönlich treffen und stellte ihm zwei Fragen: Haben Sie überhaupt an eine Frau gedacht? Und was heisst denn „jung“? Darauffolgend wurde sie seine Nummer-1-Kandidatin, überzeugte 14 männliche Aufsichtsräte und trat die Stelle 1998 an. Ihr Credo: Nicht zuwarten, bis alle Voraussetzungen erfüllt sind. Wagen, ansprechen, präsent sein. Nicht die 28. Weiterbildung absolvieren, nicht auf den perfekten Moment warten. «Männer fragen sich das gar nicht», sagte sie. «Die sagen: ich hab’s versucht, dann ging es los.» Frauen hingegen zweifeln: Kann ich das? Habe ich genug Wissen? Ihr Appell: aufhören zu fragen, anfangen zu machen. Einfach rein – bevor die Schuhe passen!

Unverzichtbar: Mentorinnen und Netzwerken

Für Ilona Schmiel zentral war die Bedeutung von Mentorinnen und von einem verlässlichen, diversen Netzwerk. Sie hat es geschafft, über die Jahre gezielt Menschen um sich zu scharen, die ihr in verschiedenen Lebensbereichen Orientierung geben. Auch um Mitternacht noch erreichbar für ein klärendes Gespräch, wenn es wirklich darauf ankommt. Ihr Rat ans Publikum: Eine Person spricht dich an? Reizt dich? Einfach ansprechen und fragen, ob man voneinander lernen kann. Die meisten Menschen sagen erfahrungsgemäss dazu ja.

Haltung als Führungsdisziplin

Führung bedeutet für Ilona Schmiel eine Haltung zu haben und diese zu vertreten – auch wenn es manchmal unbequem wird. Gerade Frauen werden in Spitzenpositionen genauer beobachtet und können sich – leider – öffentliche Kehrtwenden weniger gut leisten wie die männlichen Kollegen. Durchhaltevermögen, Authentizität und ein privates Umfeld, das trägt – das seien die eigentlichen Schlüsselkompetenzen.

Zürich, die Tonhalle … und der Blick nach vorn

Seit 2014 leitet Ilona Schmiel die Tonhalle-Gesellschaft Zürich. Sie begleitete die Sanierung des Hauses, baute die temporäre Tonhalle Maag auf – bis heute der einzige Konzertsaal der Welt, der ebenerdig ohne eine einzige Stufe betreten werden kann – und trieb die Ansprache eines neuen Publikums voran. Sie sieht ihre Rolle wie folgt: „Ich bin ein GPS-System, das durch 450 Jahre Musikgeschichte führt. Man braucht keine Vorkenntnisse – nur offene Ohren!“

Frauen in der Führung – ein gesellschaftliches Thema

Ilona Schmiel beobachtet einen Shift: Weniger junge Frauen als vor zehn Jahren interessieren sich für grosse Führungspositionen. Gleichzeitig machen Millennials und Generation Z 50 Prozent des Schweizer Arbeitsmarkts aus – was Arbeitgeber zwingt, Führung neu zu denken.

“Wir sind diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass es klappt.” Wer wirklich will, wer ein gutes Netzwerk hat, gute Mentorinnen – der kann es schaffen. Und wer es schafft, trägt Verantwortung dafür, andere zu ermutigen.“, so Ilona zum begeisterten Publikum.

Ein Podium, das noch lange nachhallt – in bestem Sinne. Den Abend liessen wir bei einem leckeren Flying Dinner und angeregten Gesprächen ausklingen.

Copyright Fotos www.orth.ch

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